Ein überzeugter Obdachloser

Stadtleben | Interview: Lisa Mayr | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Mit 20 hat Franz Sedlacek eine Bank ausgeraubt. Dafür saß er 18 Jahre im Knast. Jetzt ist er ein Tramp

Ein kalter Nachmittag Anfang Jänner. Über die Wiener Freyung pfeift der Wind. Am oberen Ende des Platzes hat es sich Franz Sedlacek gemütlich gemacht. Auf einer Bank neben ihm liegt ein Stapel der Obdachlosenzeitung Augustin. Den Mann stört die Kälte nicht. Nicht mehr. Die zerschlissene blaue Daunenjacke trägt er offen, dazu fleckige Jeans und Turnschuhe, die auch schon bessere Zeiten erlebt haben. Auf dem Kopf hat er eine Schirmmütze, darunter graues Haar, ein fusseliger Vollbart. Seine Haut ist narbig, die Finger der rechten Hand sind gelb vom Rauchen. Sedlacek ist 56 und krank. Gerade ist ein Buch über das bewegte Leben des Tramps erschienen - geschrieben hat es Martin Heipertz, ein Banker aus Frankfurt.

Wenn sich Sedlacek freut oder aufregt, reißt er die Augen auf und gestikuliert ausladend. Er spricht mit fester Stimme und wortgewandt, mit Tiroler Akzent. Immer wieder beuteln


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