Menschen

C-Gesellschaft

Falters Zoo | Ingrid Brodnig Christopher Wurmdobler | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Das neue Gesellschaftsjahr startet seit jeher mit Rätselraten: Wer ist auf den Shortlists? Also nicht für den Deutschen Buchpreis oder die Oscars. Vielmehr geht es darum, wer schon B- oder C-Promi genug ist, um beispielsweise für RTL in den Dschungel ("Holt mich hier raus ...“) zu steigen. Zumindest hier lässt sich sagen: keine Österreicher unter den Opfern. Seit Christina Lugner war für die Fernsehmacher keine Prominenz aus Österreich mehr so aufregend, um sie nach Australien zu schicken. Bei "DSDS“ dürfte es auch nicht sehr, äh, heimisch zugehen - lediglich ein Stripper aus Graz hat für Bohlen & Co, äh, gesungen. Conchita Wurst, bärtige Lady und heilige Johanna der Gay-Liberation-Front, wird sich wohl nicht noch eine Castingshow antun, es wäre die dritte. Wird Wurst doch: Nämlich wenn es darum geht, wer für Österreich zum Songcontest darf. Und Austrias nächstes Topmodel wird auch schon wieder gesucht. Leider gibt’s da in der Jury keine Überraschungen. Lena Gercke, räumen Sie den Sessel. Wurst, übernehmen Sie!

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Wer war noch einmal Albert Fortell? Jedenfalls versucht der Mann demnächst im ORF Austria’s Next Dancing Star zu werden. Die Sendung entpuppt sich auch immer mehr als Verwertungsformat für Mitglieder der B- oder C-Gesellschaft. Wer noch mittanzt? Eva Maria Marold zum Beispiel, von der haben wir tatsächlich auch schon lange nichts mehr gehört. Wetten, dass sie Frau Wurst auch mitmachen lassen? Solange sie noch heiß ist.

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Wurstfrei verlief das erste Wien-Wochenende. Im Brut war’s gut, sehr gut sogar vergangenen Freitag, als der Candy Club seinen ersten Geburtstag hierzulande feierte. Den Zuckerlklub gibt es ja schon seit 13 Jahren in München. Der Candy Club, so hört man, ist angeblich die älteste queere Party im deutschsprachigen Raum, und seit einem Jahr können wir hier in unserem schönen Städtchen zum Glück mitfeiern. Zum Beispiel mit Franz Schütte und Reimo Herfort, den beiden Herren des Jeans Team, die uns so schöne Liedzeilen beschert haben wie: "Ich bin zwar nur dein Cocktailständer, aber ich bin dankbar, dass ich hier sein darf!“ Die beiden kecken Berliner wissen auch immer, was sie zu sagen haben. Zum Schluss gab es noch die simple Botschaft: "Tanzen ist gut.“ Echt clever, diese Berliner! Alles wird gut.

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Sehr viel getanzt hat übrigens auch Cherry Sunkist, vulgo Karin Fisslthaler. Die trat am Donnerstag im B72 auf, wo das Onlinemagazin FM5 seinen neunten Geburtstag feierte (irgendwie ganz schön unrund aber immerhin unter dem Motto "Fast schon halb erwachsen“). Frau Fisslthaler, die einnehmende Songwriterin, beschränkte ihre Dance-Moves aber nicht nur auf die Bühne, sondern verbrachte mindestens die Hälfte des Konzerts in der ersten, zweiten und dritten Reihe. Das ist natürlich toll, so hautnah neben den, nun ja, "Stars“ zu stehen, aber es war auch koordinationstechnisch ein bisschen herausfordernd. Stets musste man aufpassen, nicht über das Mikrokabel der mobilen Sängerin zu stolpern oder das Bier vorm Umgeschüttetwerden retten. Puh, so ein Stress am Feierabend!

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Ansonsten verlief die erste Gesellschaftswoche tatsächlich weitgehend stressfrei. Den Neujahrsempfang von Bundespräsident Heinz Fischer mit unzähligen Heiligen Drei Königen haben wir verschlafen. Die Party zum ersten Jahr Stadtsaal haben wir verschwitzt, und nein, die Premiere von Holiday on Ice in der Wiener Stadthalle werden wir auch in diesem Jahr unmöglich schaffen.

Achtung! Schach/Rätsel finden Sie ab sofort in der Falter:Woche auf Seite 46

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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