Tiere

Schluckspechte

Falters Zoo | aus FALTER 02/12 vom 11.01.2012

Ein gutes neues Jahr beginnt mit einem Geschenk. Und dieses geht an Frau Blumberger, die bei der Falter-Spendenaktion gewonnen hat und sich eine Kolumne zum Stichwort "Gfraster“ wünscht. Ein nach den weihnachtlichen Fressfesttagen bestens passender Begriff, der gerne auf lästige Kinder, unliebsame Menschen und grundsätzlich auf alle Tiere, die entweder uns oder unser Essen fressen, angewendet wird. Und wenn es um unser Essen geht, dann ist schnell Schluss mit lustig.

Dem Vielfraß, einer im nördlichen Eurasien und Nordamerika lebenden marderartigen Raubtierart unterstellt man schon aufgrund seines Namens, dass er besonders verfressen wäre. Doch der deutsche Ausdruck ist nur eine gleichklingende Deutung seines skandinavischen Namens "fjellfräs“, der Gebirgskatze bedeutet.

Diese angebliche Verfressenheit wird in Brehms Tierleben auch noch mit Anekdoten unterfüttert: Das Raubtier würde sich zuerst mit Aas vollfuttern und sich dann, um seinen Darminhalt möglichst rasch zu entleeren, zwischen engstehenden Bäumen durchpressen. Diese Technik würde es dem Vielfraß ermöglichen, ständig weiterzufressen.

Eine schöne Unterstellung, die aber wohl eher menschlichen Bedürfnissen entspricht. Aus eher scherzhaften Familien- oder Jahrmarktsveranstaltungen, bei denen Leute irgendeine lokale Spezialität um die Wette verzehrten, ist heute tatsächlich eine per Weltverband organisierte "Sportart“ geworden: Die International Federation of Competitive Eating (IFOCE) organisiert weltweit jährlich mehr als 100 verschiedene Wettkämpfe im Speed Eating. Die Regeln sind einfach: Wer in einer bestimmten Zeit (maximal 15 Minuten) die größte Menge einer bestimmten Speise geschluckt hat, gewinnt. Der Rekord in einer beliebten Disziplin wie "Hot Dogs“ liegt zurzeit bei 68 Stück in zehn Minuten. Da bei solchen offiziellen Wettessen 10.000 Dollar und mehr ausgeschüttet werden, trainieren die Gurgitators, wie sich die Teilnehmer an den Massenverdauungsbewerben nennen, wie andere Sportprofis auch: in diesem Fall Magendehnung, Kaumuskelübungen, Brechreflexunterdückung. Aber die IFOCE ist sich durchaus ihrer Verantwortung für die Gesundheit bewusst und warnt auf ihrer Website alle Interessierten vor unorganisierter Fresserei: "Do not try speed eating at home“. In Wien würde man dazu sagen: Des san uantleche Gfraster!

Als Vomitorium (lat.: vomere, erbrechen) wurde der Zugang zu den Sitzreihen in römischen Amphitheatern bezeichnet, da die hereinströmenden Zuschauer durch die Tore scheinbar ausgespien wurden

zeichnung: püribauer.com


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