Meinesgleichen

Trost für Kinder jeden Alters: das Ratinglied

Falter & Meinung | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Karl Kraus mag mir verzeihen. Er war kein Freund parodistischer Gedichte, hat sich aber selbst immer wieder hinreißen lassen. Zum Beispiel parodierte er in den "Letzten Tagen der Menschheit“ Hoffmann von Fallerslebens berühmtes Kinderlied "A, a, a, der Winter der ist da“. Eine Volksschulklasse trägt unter Leitung ihres Lehrers das Gedicht "A, a, a, der Fremde der ist da“ vor. Als ich von der längst befürchteten Abwertung unseres Landes hörte, widerstand ich nicht und schrieb dieses "Ratinglied“:

A, a, a, das Rating das ist da!

Das Abstierln hat schon angefangen,

jetzt heißt es in die Taschen langen.

A, a, a, das Rating das ist da.

E, e, e, der Kanzler weiß es eh.

Er hat wohl zu viel Spreads gelesen,

das Rating ist dran nicht genesen.

E, e, e, der Kanzler weiß es eh.

I, i, i, der Spindi spart wie nie.

Fest schnürt er uns die Sparpakete,

im Osten schmilzt die Bankenknete

I, i, i, der Spindi spart wie nie.

O, o, o, wie sind die Bürger froh.

Froh sind auch die Bürgerinnen,

der Spekulant wird hoch gewinnen!

O, o, o, wie sind die Bürger froh.

U, u, u, jetzt sperrt die Bank gleich zu.

Kein Banker gibt den Bonus her,

die Kundschaft räumt das Sparbuch leer.

U, u, u, jetzt sperrt die Bank gleich zu.


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