Kommentar  Architektur

Warum der Architekt Adolf Loos in Wien kein Leiberl reißt

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Die Architekturkritik empört sich über den Zustand der Bauten des Architekturheiligen Adolf Loos (siehe S. 23). Auch andere Heroen des Neuen Bauens wie Josef Frank besitzen andernorts einen höheren Stellenwert als in Wien, dem Zentrum ihres Schaffens. Neben den historischen Ursachen - der Vertreibung der Moderne durch die Nationalsozialisten - gibt es hausgemachte Gründe dafür, dass die Bedeutung von Architektur nicht stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert ist. In einer Stadt wie New York oder Paris wäre es undenkbar, dass ein Klassiker der Architekturgeschichte jahrelang vergeblich auf einen Käufer wartet, wie das bei Loos’ Haus Scheu in Hietzing der Fall war.

Warum in Wien schon? Die Architekturvermittlung verfügt über geringe Mittel. Posten um Posten streicht etwa das Architekturzentrum Wien sein Programm zusammen. Nach Absage des Wiener Architekturkongresses fällt auch die Führungsreihe "Sonntags“ dem Sparstift zum Opfer; hier konnte man Baukunst vor Ort erleben. Doch auch die grafische Sammlung Albertina, wo sich das Adolf-Loos-Archiv befindet, muss sparen. 700.000 Euro betragen hier jährlich allein die Energiekosten.

Da scheint es den Aufsichtsräten opportun, dass die Museumsleitung auf Namen wie René Magritte setzt, die so viele Besucher anziehen, dass sich die Ausstellungshallen durch Körperwärme aufheizen. Der Loos-Liebhaber dagegen leidet. Für Ausstellungen mit Plänen und Modellen aus der hauseigenen Sammlung, um die uns die ganze Welt beneidet, gibt es keinen Platz im Programm. Wien könnte ein Loos-Mekka sein, aber niemand fühlt sich dafür zuständig. Auch die nicht, die den kulturpolitischen Auftrag dazu hätten. F


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