Gelesen Bücher, kurz besprochen

Deutschland im Krieg

Politik | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Manche Kriege seien notwendig, gerade auch für Deutschland. Diese Meinung vertritt Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der deutschen Wochenzeitung Die Zeit, in seinem Buch "Wofür Deutschland Krieg führen darf. Und muss.“

Was Ulrichs Bellizismus mit humanem Antlitz im Wege steht, ist die Uno. Weil nämlich jeder Krieg völkerrechtswidrig ist, sofern der UN-Sicherheitsrat nicht seine Zustimmung erteilt. Dort aber sitzen mit Russland und China zwei mächtige autoritäre Staaten, die aus Gründen der Staatsräson nicht immer daran interessiert sind, gemeinsam mit dem Westen Menschenrechtsverletzungen kriegerisch zu ahnden.

Laut Ulrich liefert dieses Interessengemenge einen Freifahrtschein für Diktatoren, innerhalb der Staatsgrenzen mit dem eigenen Volk nach Belieben zu verfahren. Aus diesem Grund gebe es, so der Autor, völkerrechtswidrige, aber doch richtige Kriege, wie sie etwa in den 1990er-Jahren am Balkan geführt worden seien.

Am Ende des Werkes wird noch Deutschlands aktuelle Kriegspolitik kritisiert: Ein so großes und mächtiges Land, meint Ulrich, dürfe im Sinne seiner globalen Verantwortung nicht pazifistisch werden.

Valentin Ladstätter

Bernd Ulrich: Wofür Deutschland Krieg führen darf. Und muss. Rowohlt, 189 S., € 15,40


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige