Enthusiasmuskolumne Diesmal: die beste Dokusoap der Welt der Woche

Was immer man tut, Sido macht’s gut

Medien | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

ORF 1 ist auf dem besten Weg, RTL 2 zu werden. Die sogenannte Dokusoap, in der gezeigt wird, wie der Berliner Rapper Sido mit jungen Wiener Sozialfällen eine Hip-Hop-Band zusammenstellt, ist ein an Zynismus kaum zu überbietendes Beispiel für menschenverachtende Sozialpornografie.

Ungefähr so könnte ein Text über "Blockstars - Sido macht Band“ beginnen. Leider sehe ich mich außerstande, einen solchen Text zu verfassen, dafür bin ich viel zu enthusiastisch. Ich bin ein Fan von "Blockstars“, dabei gehöre ich gar nicht zur Zielgruppe. Ich bin viel zu alt für so eine Sendung und ich interessiere mich weder für Deutschrap noch für Dokusoaps.

Warum sehe ich jeden Donnerstag ein paar mäßig begabten jungen Männern und Frauen dabei zu, wie sie in der Wohnküche ihres Lofts Unsinn plappern, sich im Tonstudio blamieren (Rapcoach Nazar: "Was reimt sich da jetzt genau?“) oder beim Kreativurlaub am Bauernhof die Stallarbeit verweigern? Ganz einfach: weil es verdammt komisch ist.

Die ganze Sendung ist so offensichtlich gefakt, dass sie sich nicht einmal selbst ernst nimmt. Und die Kandidaten beschwören zwar ständig die Wichtigkeit des "Projekts“, aber dass es ihrem patscherten Leben eine Wendung geben könnte, glauben sie offenbar selbst nicht wirklich.

Mit liebevollem Spott sieht "Blockstars“ einer Losertruppe dabei zu, wie sie es wieder nicht gebacken kriegt. Und wenn es einmal grenzwertig wird - Problemkandidat Daniel etwa schied vorige Woche wegen seines Drogenproblems aus -, dann ist da ja immer noch Onkel Sido und macht’s wieder gut. Der Jeannée-Bezwinger beweist auch hier sein Talent, stets den richtigen Ton zu finden. Vielleicht sollte Alexander Wrabetz ja Sido zu seinem Büroleiter ernennen.


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