Das Haus der Lügen

Feuilleton | Analoose: Jan Tabor | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Wien geht schmählich mit dem Erbe des Meisterarchitekten Adolf Loos um. Nun entdecken die Tschechen ihren Loos

Manche Banken fälschen Bilanzen, andere Geschichte. Wann immer ich an dem merkwürdig unauffälligen Haus am Michaelerplatz vorbeigehe, ärgere ich mich über die Chuzpe mit der Leopold Goldman die Bauherrenehre geraubt wurde.

An dem legendär glatten Fassadenverputz stand einst in güldenen Großbuchstaben in der Firmenaufschrift "Goldman & Salatsch“ der Name jenes jüdischen Schneiders aus Mähren, der es gewagt hatte, den aus Mähren stammenden radikalen Kulturjournalisten und genialen Architekturdilettanten Adolf Loos (1870-1933) mit dem Bau seines neuen Geschäftshauses in der unmittelbaren Nachbarschaft der Hofburg zu beauftragen.

Nun drängt sich, über zwei Etagen verteilt, in ebensolchen güldenen Großbuchstaben die Raiffeisenbank Wien der Aufmerksamkeit der Passanten auf. Sie tut es auf penetrante, auffallende Weise, in der Art anachronistischer Parvenüs. Und das seit


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