Stadtrand Urbanismuskolumne

Immer diese Tschuschen

Stadtleben | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Unlängst in der zum Platzen vollen U4: Eine junge Muslima versucht, ihren Kinderwagen an den extra dafür gekennzeichneten Platz zu schieben. Das empört eine Pensionistin in Nerzmantel, mit picksüßem Parfum und großer Ballfrisur, die offenbar meint, einen fixen Standort in der U-Bahn gepachtet zu haben. Laut tztztzend und demonstrativ kopfschüttelnd rutscht sie dann doch zur Seite. Eine Frau, anscheinend mit türkischem Hintergrund, hat die Szene beobachtet. "Ja, ja, die Scheißausländer, die Tschuschen“, sagt sie zur Pelzdame, die pikiert in die Gegenrichtung starrt und lacht. Andere Fahrgäste lachen mit. Einer von ihnen sagt: "Eh kloa, mit de gibt’s immer Troubles.“ Er zwinkert seiner Vorrednerin verschwörerisch zu, deutet mit dem Kopf in Richtung alte Dame und lacht. "Hau ma’s olle auße!“ Seine Stimme wird immer lauter; ihm treten bereits Tränen in die Augen. "De braucht eh kana!“, legt er noch ein Schäuferl nach. "Scheißtschuschen! Des Gsindl, des. Weg mit eana!“, er sieht sich beifallsheischend um. Schweigen. Nur die Pelzdame, die hat plötzlich ein Lächeln auf ihren Lippen. F


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