Prima Heftchen für Sofaerdäpfel

Stadtleben | Blattkritik: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Das neue Magazin Couch versorgt die junge Zielgruppe mit Interesse an Wohnen & Mode

Da irrt die Kolumnistin. In ihrem Text über den "Vintage-Trend“ ("Gern von gestern“) kommt sie zum Schluss, dass alt zwar irgendwie super ist, eines werde "jedoch garantiert nie wieder gut aussehen: orange-braune Tapete“. Und ein paar Seiten später sieht man dann eine Wohnung in heftigen Knallfarben, die jede 70er-JahreTapete in den grauen Musterschatten stellt ("Nie wieder Kompromisse“).

Wir sind mittendrin in einem trendigen Jungmädchentraum von den eigenen und sehr bunten vier Wänden. Im beliebten Pocketformat auf über 200 Seiten. Wir sind im Magazin Couch, das gerade seine erste Ausgabe auf den Zeitschriftenmarkt gebracht hat; Zielgruppe: junge Frauen mit Faible fürs Einrichten und Schickmachen. Und das ist wohl das Neue an Couch. Es geht nicht nur ums Wohnen, sondern auch um die Frage, ob der Lippenstift zu den Möbeln passt. Okay, das war jetzt gemein.

Tatsächlich sind solche Heftchen vor allem ein gutes Werbeumfeld; im aktuellen Beispiel überraschenderweise für Luxusmarken, aber auch H&M oder Ikea. Aber sie spiegeln auch ganz gut wider, wie sich die Auskenner - in dem Fall: Inneneinrichter und Stylisten - Lebenswelten so vorstellen.

Wohnen auf kleinstem Raum ist da so ein Thema. Oder eben wohnen mit Farbe. Und weil sich das Couch-Publikum möglicherweise doch nie Sitzmöbel von Cor oder die Küche von Next125 leisten kann, gibt es auch viele Tipps zum Selbermachen. Gemäß dem Motto "Idea to steal“ finden sich hier ausgesprochener Quatsch (Omas Silberbesteck bunt anmalen), aber auch gute Ideen und sogar Handwerkstipps.

Letztendlich ist aber auch dieses neue Kompendium für Sofaerdäpfel nur ein einziger Katalog voll mit Dingen, auf die die Welt nicht gewartet hat. Aber schön sind sie. Sogar in Knallorange. F


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