Menschen

Staubige Tiere

Falters Zoo | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Du Oasch“. Mit diesem Lied ist der Nino aus Wien, der vollständig Nino Mandl heißt, bekannt geworden. Und wir würden verstehen, wenn er es nicht mehr so gerne singt. Oder die Frage, ob es "die Klara“ aus dem o.g. Lied wirklich gibt, nicht mehr hören kann. Um so überraschter war dann das Publikum beim Nino-Gig im Radiokulturhaus vergangene Woche, dass es "Du Oasch“ dann doch noch gab - als Zugabe und gesungen vom Extrachor aus Baden. Überhaupt ein sehr schönes Konzert von Herrn Mandl und seinen Kollegen und erstaunlich, wie viele schon die Songs vom neuen Album ("Schwunder“) mitsingen können. Für eine weitere Überraschung sorgte dann noch Fred Schreiber, Besitzer der sehr berühmten Radio- und Fernsehstimme. Schreiber unterstützte den Nino bei der Nummer "Hotel“. Weil er offenbar irgendwann erwähnt hat, dass er Hotels so möge. Schwunder gibt es immer wieder!

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Oh, in Wien wird nun auch okkupiert. Beim internationalen Aktionstag der Occupy-Bewegung vergangenen Sonntag trat dann unter anderen auch Kabarettist Roland Düringer ans Mikrofon. Und wie finden wir das? Immer noch besser als ins "Dschungelcamp“ zu gehen (würde Düringer nicht machen) oder den Affen bei "Dancing Stars“ zu geben (hat Düringer nicht nötig). Wir hier hinten fragen uns aber, wieso so wenig Promis mit dem Occupy-Züglein fahren.

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Und überhaupt: Wo ist das "Staubige Tier“ geblieben? Sie erinnern sich: Tex Rubinowitz, Falter-Zeichner und Autor lustiger Bücher, hatte vor Jahren den bizarren verstaubten Tausendfüßler aus Stoff an der Decke eines ebenso bizarren Zeitschriftengeschäfts in der Karlsplatzunterführung entdeckt und in Ihrer Lieblingszeitung beschrieben. Nun wird gerade die Passage zur Kunstpassage umgebaut, was offenbar bedeutet, dass auch das Zeitschriftengeschäft raus musste. Wolfgang Gantner von der Künstlergruppe Gelitin entdeckte das "Staubige Tier“ am Boden des geräumten Geschäfts liegend und informierte den Zeichner. Der reiste stante pede zum Karlsplatz. Aber. "Verkauft“, riefen die Geschäftsleute und lachten hämisch und fügten hinzu: "Für 500 Euro.“ Gemein.

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Die Bandmitglieder von Luise Pop werden langsam zu Stars. Zumindest fühlte es sich so an, als die derzeitig vierköpfige Indiepoptruppe rund um Vera Kropf und Lisa Berger ihre neue CD im Transporter präsentierte. Musiker und Publikum wurden permanent von allen Seiten gefilmt, weil Filmemacherin Mirjam Unger derzeit eine Doku über Musikerinnen in Wien dreht - Titel: "Oh yeah, she performs!“ Oh yeah kann man auch zur Performance im Transporter sagen. Im Chor sang Clara Luzia, sehr unterhaltsam war die Lesung zwischen den Songs aus Briefen von der Hansi-Tant, Kropfs Großtante, die am Beginn des 20. Jahrhunderts auszog, um die Welt zu entdecken. Und zwar als Zirkusartistin und Tierhypnotiseurin in den USA. Eine verdammt coole Frau also. Deswegen ziert die Hansi-Tant nun auch das aktuelle Album von Luise Pop, darauf sitzt sie gerade auf einem Pferd und schaut neugierig in die Kamera. Großartiges Bild! Mit so einer Großtante bleibt einer wohl nichts anderes übrig, als Künstlerin zu werden.

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Und dann gab’s noch eine Auszeichnung am Montag, die uns freut: Im Akademietheater erhielt aus den Händen der Kulturministerin Jan Lauwers, Chef der belgischen Needcompany, das Goldene Ehrenzeichen für "Verdienste um die Republik Österreich“. Ja, nett. Auch wenn wir das mit den Verdiensten nicht so kapieren. Aber okay für uns - solang DJ Ötzi jetzt nicht vom belgischen Königshaus ausgezeichnet wird.

ingrid brodnig

christopher wurmdobler

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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