Tiere

Popologie

Falters Zoo | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Ungern, aber doch muss ich zugeben, dass Biologen nicht unbedingt zu den "sexiest scientists alive“ zählen. Und in diesem von Verhaltensforschern, Anatomen, Ökologen und anderen Disziplinen untergliederten Soziotop rangieren wiederum Taxonomen ganz am Ende der Attraktivitätsskala.

Diese untersuchen die verwandtschaftlichen Beziehungen der Lebewesen und versuchen, daraus ein stammbaumartiges und die Evolution widerspiegelndes System zu schaffen. Dazu sitzen sie meist weltfern über Mikroskope gebeugt in dunklen Studienzimmern und betrachten tausende für den Laien völlig gleich aussehende Arten. Unter diesen erkennen sie dann plötzlich aufgrund irgendeiner von der Norm abweichenden Borstengruppe am Kopf eines Lebewesens eine neue Spezies.

Und hier beginnt der Spaß, denn als Taxonom darf man dieser neuen Art auch einen wissenschaftlichen Namen geben. Früher ehrte man damit meist andere Forscher oder düpierte (Anm. fürs Jungvolk: dissen) diese. So benannte der schwedische Naturforscher Linné eine Käferart "Aphanus rolandri“ nach seinem aufsässigen Studenten Daniel Rolander. Aphanus bedeutet glanzlos, dumpf. Insiderwitze für eine des Lateinischen und Griechischen kundige Bildungselite mit sehr eingeschränkter Verbreitung.

Aber dann besuchten diese Taxonomen offenbar PR-Seminare und begannen, neue Tierarten nach Prominenten zu benennen: Es gibt seither eine Spinne namens Calponia harrisonfordi, den Käfer Agra schwarzeneggeri und seit neuestem die Fliege Scaptia beyonceae.

Über diese Namenswidmung an die Sängerin Beyoncé Knowles berichtete dieser Tage weltweit fast jedes Medium. Der Taxonom Brian Lessard sagte im Original: "It was the unique dense golden hairs on the fly’s abdomen that led me to name it in honour of the performer Beyoncé.“ Abdomen nennt man zwar in der Medizin den Bauch und meint in der Insektenanatomie den ganzen Hinterleib, die Meldungen konzentrierten sich aber auf Synonyme für Arsch. *kicher*

Die in Australien vorkommende Fliege selbst, auf Englisch "horse-fly“, wurde kreativ mit Pferdefliege anstatt mit dem biederen deutschen Wort "Bremse“ übersetzt. Ja, so soll Wissenschaftsjournalismus sein! Die Leser nicht mit Details belasten, für Spaß an Stammtischen sorgen und immer am (Hosen)Boden *har, har* der Tatsachen bleiben. F

Peter Iwaniewicz sitzt auf seinen vier Buchstaben und schreibt Hinterngründiges

Im Oxford English Dictionary findet sich die neue Wortschöpfung "bootylicious“. Diese Kombination aus "booty“, dem umgangssprachlichen Wort für Po, und "delicious“ (lecker) ist ein Adjektiv für sexuell attraktive Frauen

zeichnung: püribauer.com


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