Kunst  Tipp

Ein Amerikaner im niederösterreichischen Rohrau

Lexikon | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Er gehört zu jenen Künstlern, die im Schlund der Geschichte verschwanden. Der Kalifornier Andrew Molles (1907-1975) studierte Anfang der 30er-Jahre in Paris Philosophie, schlug sich dann neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit als Tischler und Landvermesser durchs Leben, ehe er in den 50er-Jahren in Kalifornien eine Kunstschule besuchte. 1957 kam er nach Österreich, um an der Wiener Akademie und bei Kokoschka in Salzburg zu studieren. Er stellte in der Galerie Nächst St. Stephan aus. Nach seinem Tod 1975 bildete sich ein Freundeverein, der den Künstler vor dem Vergessen bewahren wollte. Es half alles nichts: Nach einer Retrospektive 2004 in der Kunsthalle Krems zeigte kein Museum mehr Interesse an Molles’ Werk. Die Galerie Kopriva Krems verkauft den Nachlass, der nun auch in der Wiener Galerie Artmark zu sehen ist.

Hier lernt man einen Künstler kennen, der mit erstaunlich unterschiedlichen formalen Mitteln arbeitete. Mit konzeptueller Kühle deklinierte er zeitgenössische Bildsprachen durch. Anfang der 60er-Jahre entstanden abstrakte, an Paul Klee erinnernde Kompositionen aus feinen Linien, Flecken und Strichen und teilweise bis zur Leinwand durchgeriebenen Texturen. Mit dieser gefühlsbetonten Zeichensprache unvereinbar erscheinen die ab 1966 entstandenen, geometrisch-abstrakten Bilder, die an die Züricher Konkreten, etwa Richard Paul Lohse, erinnern. In der Serie "Isometrische Bilder“ beschränkt sich der Künstler auf die Elemente Kreis, Quadrat und Rhomben und erprobt die Wirkung miteinander kollidierender Farbenflächen. Auch wenn die Werke manchmal so wirken, als habe ein Künstler allzu eifrig die internationalen Kunstmagazine studiert; etwas mehr Aufmerksamkeit hätte sich die erfrischende Internationalität des Rohrauer Kaliforniers schon verdient. MD

Artmark Galerie, bis 12.2.


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