Kunst  Kritik

Leinwand ohne Film: Being David Maljkoviæ

Lexikon | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Eine leere Vitrine füllt sich mit Nebel. Ein ins Nichts strahlender Scheinwerfer, ein Mikrophonständer vor einer leeren Bühne. Der kroatische Künstler David Maljkoviæ (Jg. 1973), der letztes Jahr in der Galerie Georg Kargl Fine Arts einen fulminanten Auftritt hatte, macht in der Secession eine Retrospektive ohne Werke. Von den vergangenen Ausstellungen ist nur der Rahmen geblieben: Podeste, Schaukästen und Präsentationswände, die nach Ende der Ausstellung zerstört werden. Damit will der Künstler verhindern, dass das scheinbar Ephemere letztlich doch zum marktgängigen Fetisch wird.

Maljkoviæ’ Thema ist die moderne Architektur und Kunst Ex-Jugoslawiens, deren Versprechen von Aufbruch und Internationalität. Der Künstler dokumentierte diese Vergangenheit in Form von Collagen, Modellen und Filmen. Nun stellt er einen für die Vermittlung der neuen Kunst wichtigen Aspekt in den Vordergrund, den der Ausstellungsgestaltung. Messepavillons und Kaufhäuser sollten die Universalität rationaler Gestaltung demonstrieren, die Trennung zwischen den Sphären Produktion und Konsum aufheben. Von den raffinierten Weg- und Blickführungen modernistischer Ausstellungsarchitektur ist bei Maljkoviæ leider nichts zu bemerken. Etwas planlos wirken die sogenannten Displays im Raum verteilt, ohne dass die Einzelteile erhellende Korrespondenzen zueinander entwickeln würden. In der Wiederholung verliert die Idee der Entleerung ihre suggestive Wirkung. Der scheinbar souveräne Gestus eines Künstlers, der auf sein Lebenswerk zurückblickt, ohne es zu zeigen, verkehrt sich in sein Gegenteil. Wer, in aller Welt, ist David Maljkoviæ? Der Künstler bezog sich früher explizit auf historische Figuren wie den abstrakten Bildhauer Vojin Bakiæ - und bleibt nun in einer hohlen Selbstbezüglichkeit stecken. MD

Secession, bis 5.2.


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