Film  Neu im Kino

Egalité und Fraternité: "Ziemlich beste Freunde“

Lexikon | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Kein Mitleid“ ist genau das, was der wohlhabende, querschnittsgelähmte Philippe (François Cluzet) von seinem neuen Pfleger erwartet. Er fordert deshalb den zunächst abgeneigten Driss (Omar Sy) heraus, sich an diesem Posten zu versuchen. Denn der junge Mann, ein frisch aus der Haft entlassener Einwanderer aus den Pariser Banlieues, ist mit einer großen Klappe und einer ordentlichen Portion Laisser-faire ausgestattet. Aus der Begegnung, die auf einer wahren Geschichte basiert, entspinnt sich eine Freundschaft zwischen den zwei grundverschiedenen Männern.

Ganz im Sinne eines Buddy-Movies liefert "Ziemlich beste Freunde“ (im Original: "Intouchables“) auch klischeehafte Überzeichnungen, wie eine waghalsige Verfolgungsjagd mit der Polizei, die als Auftakt innerhalb der ersten Minuten den Grundton des Films als Komödie festlegt. An komischen Momenten - von Slapstickelementen bis tiefschwarzem Humor - mangelt es dem Film jedenfalls nicht.

Die Andersartigkeit der beiden Lebenswelten wird von Olivier Nakache und Eric Toledano auch in der Bildsprache etabliert. So schaffen warme Farben in Philippes Palais den Kontrast zur kalten Tristesse der Vorstadt. Ebenso betonen die stark kontrastierten - fast schon stereotyp angelegten - Figuren den sozialen Unterschied, dessen Skizzierung maßgeblich für das Funktionieren dieser Erzählung ist.

Die thematische Verhandlung von Einschränkung, Freiheit, Integration und Grenzgängen verschwindet dennoch nicht hinter der vordergründigen Komik, den Upper-Class- und Unterschichtklischees. Vielmehr liefern die beiden Hauptdarsteller im glaubwürdigen Zusammenspiel das Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft, in der der Unterschied (k) einen Unterschied macht.

LUDMILLA DITTRICH

Derzeit in den Kinos (OmU im Burg)


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