Viktor Bodó spielt mit William Shakespeare

Lexikon | aus FALTER 03/12 vom 18.01.2012

Das Grazer Schauspielhaus zeigt "Ein Sommernachtstraum“

Die gute Nachricht: Graz hat einen "Sommernachtstraum“, der richtig rotzig auf Trash-Komödie macht, mit viel Spielwitz, feiner Musik (Klaus von Heydenaber) und einem fast noch feineren Bühnenbild (Pascal Raich), das Shakespeares Wunderwaldwelt in eine urbane Trostlosigkeit mit verwirrten Perspektiven übersetzt. Die schlechte Nachricht: Es ist dennoch die bislang schwächste Inszenierung, die Viktor Bodó gemeinsam mit seiner Szputnyik Shipping Company und dem engagierten Schauspielhaus-Ensemble entwickelt hat. Man kennt den Meister hier als einen, der Texte zerstückelt, um dann daraus wirre Fantasiegebäude aus Bildern und Musik zu errichten, anarchisch in der Erzählung, im Rhythmus streng. Das gilt jedoch nur, wie sich nach spektakulären Dramatisierungen zeigt, wenn Bodó seine dramatischen Gebäude von Grund auf neu baut. Folgt er einem fertigen szenischen Text, wird seine Theatermaschine auf die Kommentarfunktion reduziert: Der Bodó-Groove reibt sich an den Dialogen, sein dramatischer Affekt zerstreut sich in theatralischen Effekten. So ist dieser Abend voller ironischer Brüche und Filmzitate am Ende auch nur ... Regietheater. Bühne und Musik sind da Beiwerk - dafür aber, bei aller Genialität, ziemlich aufwendig. HG

Schauspielhaus, Graz, Fr 19.30 Uhr


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