Theater  Kritik

Life and Times 3 & 4: Die Katze in der Mausefalle

Lexikon | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Kelly Copper und Pavel Liska vom Nature Theater of Oklahoma liegen richtig, wenn sie das Publikum warnen. Die Folgen 3 und 4 ihrer Echtzeitsoap "Life and Times“ dauert fast fünf Stunden. Aber, versprechen die Oklahoma-Chefitäten, man habe sich die tollen Sachen für nach der Pause aufgehoben. Das auf zehn Episoden angelegte Projekt der Theatermacher aus New York, die an der Burg im dritten Jahr Gastartisten sind, war von Anbeginn für Überraschungen gut. Auch was das Formale betrifft. Die Reihe basiert auf Telefonaten der Regisseure mit der Protagonistin Kristin Worrall, die ihre Biografie von der Geburt bis heute nacherzählt - mit sämtlichen Ähhs und Oh-my-Gods.

Folge 1 (frühe Kindheit) hatte was Turnerisches und war komplett gesungen, Episode 2 (Schulzeit) war dynamisch diskohaft mit zahlreichen Komparsen. Mittlerweile sind wir auf der Highschool angelangt und in Agatha Christies Mausefalle. Würde man sich die Ohren zuhalten, sähe man ein ziemlich zerdehntes Krimistück. Die acht Darsteller sehen aus wie in der West-End-Produktion von "The Mousetrap“, die gemalte Dekoration, antike Sofas und Tischchen auf der Bühne ebenfalls. Doch statt Mord gibt es im Flackerlicht Teenagersorgen.

So geht es um Zahnspangen, erste Küsse, Sex (aber nur wenig), fiese Lehrer und eine Klassenfahrt nach England, die prägend war; den Text liest das Ensemble von Pappkarten ab. Das Bizarre ist: "Life and Times“ macht Spaß. Bewährte Burg- und eingespielte Oklahoma-Akteure spielen immer besser zusammen. Und je profaner die Lebensgeschichte wird, desto größer ist das Vergnügen. Glücklicherweise wird auch diesmal gesungen. Am Ende fast ein bisschen zu viel. Da maunzte die Katze der Erzählerin wohl zu oft ins Telefoninterview hinein. Aussitzen lohnt sich trotzdem, es gibt noch einen Gag. Miau. Cw

Burgtheater-Kasino, So 18.00


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