Kunst  Tipp

Himmlischer Glanz im Schmuddelshop

Lexikon | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Wie ein Geist schwebt in "Siedlung 1“ (2011) die dunkelhäutige Frau vor einer Hauswand, die ihrerseits zu zerfließen scheint. Plastikfolien kleben darüber, Farbrinnsale heben sich von der fotografischen Oberfläche ab. Die Bilder der Wiener Malerin Maja Vukoje (Jg. 1969) bestehen aus mehreren Schichten. Wie von Bildbearbeitungsprogrammen am Computer gewohnt, versucht der Betrachter im Geiste, die einzelnen Layer voneinander zu lösen, vergeblich: Fotografische und malerisch bearbeitete Elemente, Außenwelt und Innensicht verschmelzen in diesen Bildkomplexen zu einer Einheit.

Maja Vukoje gehört zu den interessanten Malerinnen der Generation, die die Debatten der 80er-Jahre hinter sich gelassen haben. Die Frontstellung zwischen expressiv und konzeptuell ist aufgelöst. Die Künstlerin ist mit der Frage beschäftigt, inwiefern die Malerei in moderneren Medien wie dem Videofilm oder der Installation behandelte Themen - etwa den Zustand postkolonialer Gesellschaften - aufgreifen kann.

Auf dem etwas einfach gestrickten Bild "Drums“ (2011) etwa sind gestapelte Ölfässer zu sehen, die in der Karibik zu Musikinstrumenten recycelt werden. Der Fässerstapel lässt sich als abstrakte, geometrische Figur oder als mit Realität gesättigtes Motiv interpretieren. Das Motiv des Gespenstes wiederum kommt aus der afrokaribischen Mythologie, variiert gleichzeitig das Malereigenre Porträt.

Das beeindruckendste Bild der Ausstellung ist "Lux d‘Or“ (2011). Zu sehen ist die Ansicht eines exotisch anmutenden Lampengeschäfts. Zahllose Kristalle ballen sich zu einer glitzernden Ornamentwabe, unter der sich ein dreckiger Fliesenboden abzeichnet. Auf die Leinwand geklebte, glitzernde Folien verstärken den Lustereffekt. Schmutz und Glanz, Raumillusion und realer Abdruck machen das Gemälde zu einer zeitgemäßen Version des klassischen Malereithemas Licht. MD

Galerie Martin Janda, bis 25.2.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige