Am Apparat Telefonkolumne

Frau Rosenberger, sind alle Österreicher Rassisten?

Politik | Anruf: Ruth Eisenreich | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Die Österreicher sind die größten Fremdenfeinde Europas“: So beschrieben diverse Medien das Resultat der Europäischen Wertestudie 2011. Sieglinde Rosenberger, Autorin der Studie, hält das für eine Verkürzung.

Frau Rosenberger, sind Sie mit der Berichterstattung über Ihre Studie zufrieden?

Ja, mit einer Einschränkung: Die Österreicher zeigen keine stärkere Antipathie gegenüber Migranten, sondern der Anteil derer, die Ausländer ablehnen - 23 Prozent - ist größer als in anderen Ländern. 77 Prozent zeigen keine Antipathie.

Mehrere EU-Länder - zum Beispiel Tschechien, Estland und Malta - haben noch höhere Antipathiewerte als Österreich.

Unser Vergleich bezog sich auf die etablierten Demokratien, das sind Länder, die zumindest seit 1945 demokratische Systeme haben. Wir haben die Transformationsländer nicht berücksichtigt, weil die politischen Strukturen nicht vergleichbar sind.

Österreich hat nicht nur die höchsten Werte Westeuropas, sie sind auch seit der letzten Studie 1999 stark gestiegen. Warum?

Die Umfrage hat in der Zeit des Wahlkampfs 2008 stattgefunden. Politische Reden in so einer Wettbewerbssituation prägen die Bevölkerungsmeinung. Studien zufolge waren die Wahlkämpfe 2006 und 2008 stärker gegen Migranten gerichtet als frühere Wahlkämpfe.

Fremdenfeindliche Wahlkämpfe gibt es auch in anderen Ländern.

Ja, aber dort existiert parallel zum restriktiven, ablehnenden Diskurs über Migranten auch ein liberaler, positiver und toleranter. In Österreich ist seit 2000 das Restriktive deutlich gewachsen, das Liberale hingegen ist weggefallen.

Die Studie hat nicht nur Fremdenfeindlichkeit abgefragt. Welches andere Ergebnis hat Sie am meisten überrascht?

Nationale Gefühle haben in Österreich im Vergleich zu europäischen an Bedeutung gewonnen. Es gibt eine Fokussierung auf das Nationale in einer zunehmend globalisierten Welt.


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