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Politik | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Bücher, kurz besprochen

Konservatives Wehklagen

Politischer Auseinandersetzung fehlt es in unseren Tagen an Tiefe. Das Politgeplänkel inszenieren Personen mit leeren Gesten, Inhalte kommen zu kurz. Ob dieser Lücke ist es zu begrüßen, wenn die Politische Akademie der ÖVP, die Intellektuellenfraktion der Partei, in einer Streitschrift den Konflikt sucht.

Unwidersprochen kann man die Linie des Werks "Konservative Korrekturen“ trotzdem nicht lassen. Die darin geäußerte Kritik am (angeblich immer noch) linken Zeitgeist kommt wehleidig daher. Etwa wenn bedauert wird, dass Angela Merkel sonntags lieber ausschläft, als auf der Kirchenbank zu sitzen. Wenn Lust und Selbstverwirklichung verdammt, aber Kirche und Familie hochgehalten werden. Überhaupt, was will uns das Buch sagen? Seine vier Pfeiler sind Erziehung, Schule, Religion und Disziplin. Ausgerüstet mit den Zehn Geboten wird auf eine faule Unterschicht geschimpft, "die sich auf Kosten des Sozialstaates vermehrt“. Die schwarzen Denker wollen den Zeitgeist korrigieren, aber den Kompass, der einen neuen konservativen Weg weisen könnte, haben sie noch nicht gefunden.

Stefan Hayden

Christian Sebastian Moser (Hg.): Konservative Korrekturen. Verlag noir, 252 S., € 9,50

Sofia und die Lust auf Europa

Obwohl Bulgarien seit 2007 in der EU ist, ist es den Österreichern weitgehend fremd. Die Presse-Journalistin Jutta Sommerbauer, die mehrere Jahre in dem südosteuropäischen Staat gelebt hat, bietet in der Reihe "Europa Erlesen“ des Wieser-Verlags einen bemerkenswerten Einblick in die Hauptstadt Sofia. Mithilfe von Originaltexten spannt sie dabei einen Bogen vom osmanischen Sofia über jenes des Zarenreiches und des realsozialistischen Bulgariens bis in die Gegenwart. Das Werk entfacht Lust auf Europa - und auf eine Städtereise.

Thomas Schmidinger

Jutta Sommerbauer: Sofia. Wieser, 250 S., € 12,95


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