Mediaforschung Nachfragekolumne

Warum lassen Sie Mülltonnen Walzer tanzen, Herr Babits?

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Gerd Babits hat in der ARA-Kampagne zusammengebracht, was auf den ersten Blick nicht zusammenpasst: Müll und Schäfer-Elmayer

Tanzlehrer Thomas Schäfer-Elmayer dirigiert eine Polonaise für Mülltonnen und statt mit den Worten "Alles Walzer“ eröffnet er sie mit "Alles trennt“. Die Werbeagentur St. Stephen’s hat in ihrer neuen Kampagne für das Recyclingunternehmen ARA zusammengebracht, was auf den ersten Blick nicht zusammengehört: auf der einen Seite den befrackten Altmeister guter Manieren, den Österreichs Boulevard "Benimm-Papst“ getauft hat, auf der anderen Seite übel riechenden Müll.

Was haben Schäfer-Elmayers weiße Handschuhe mit grünem Bruchglas und rostbraunen Dosen zu tun? Agentur-Chef Gerd Babits, der die Kampagne konzipiert hat, erklärt: "Alles, was zu Kultur und gutem Ton gehört, passt zusammen.“ Zweifellos, die Mülltrennung kann als Errungenschaft der zivilisierten Gesellschaft gar nicht hoch genug geschätzt werden. Mit der Kampagne soll artgerechtes Wegwerfen in den Köpfen der Menschen noch stärker als hochkultureller Akt verankert werden.

Stinkendes Material ist für St. Stephen’s kein neues Thema, die Agentur erweckte bereits den "Sackerl-Gackerl-Hund“ und das Mistmonster zum Leben. Die neue Müll-Kreation "Alles trennt“ ist in Wien auf Citylights und in Ballprogrammen zu sehen, selbst im Opernball-Heft werden die Schönen und Reichen an ihre haushaltlichen Pflichten erinnert. Nur im Programmheft des Philharmoniker-Balls fehlt das Müllsujet. "Weil Müll und Philharmoniker nicht zusammenpassen“, erklärt Babits. Dabei geben gerade die den guten Ton an.


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