Ein puritanischer Meister der neuen Alten Musik

Feuilleton | Nachruf: Armin Thurnher | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Der holländische Cembalist, Organist und Dirigent Gustav Leonhardt veränderte die musikalische Aufführungspraxis

Anfang der 1950er-Jahre muss Wien ein faszinierender Platz für musikalische Außenseiter gewesen sein. Zwar dominierten Größen der Jahre 1933 bis 1945 noch immer das offizielle Musikgeschehen, aber in ihrem Schatten jazzte Friedrich Gulda im Strohkoffer, traf Glenn Gould Alfred Brendel bei Paul Badura-Skoda zum Mittagessen, konspirierten verbliebene Schönbergschüler in einem Salon in der Waaggasse im vierten Bezirk, spielte der junge Nikolaus Harnoncourt zu Hause Alte Musik. Und in der Notensammlung der Nationalbibliothek saß den ganzen Tag lang ein Niederländer und kopierte unveröffentlichte barocke Partituren.

Der Kopist war Gustav Leonhardt. Dem jungen Mann hatten die Eltern den Beruf des Kaufmanns zugedacht, er aber bekam - inspiriert durch die zu Hause während der Nazibesatzung im Abseits auf dem Land ausgeübte Hausmusik - das Cembalo nicht aus dem Kopf und studierte


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