Waschzwang statt Größenwahn

Feuilleton | Kunstkritik: Matthias Dusini | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Die programmatische erste Ausstellung im 21er Haus scheitert am Thema Gesamtkunstwerk

Das große Ganze hatte der Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann im Auge, als er 1983 im Wiener Museum des 20. Jahrhunderts ("20er Haus“) die Wanderausstellung "Der Hang zum Gesamtkunstwerk“ präsentierte.

Damals bildeten nicht nur die Lebensreformen der Zeit nach 1968 den ideellen Hintergrund, sondern auch die erstarkte Rolle des Kunstkurators. In einem historischen Panorama spannte Szeemann den Bogen von antibürgerlichen Gegenwelten wie der Tessiner Kommune Monte Verità bis zur Gemeinwohlkunst eines Joseph Beuys. Das Gesamtkunstwerk gäbe es nicht, nur den Hang dazu, relativierte Szeemann, der vom Thema dennoch fasziniert war.

In der ersten großen Ausstellung des 21er Hauses unter Führung des Belvederes ist kein Liebäugeln mit vermessenen Ich-Steigerungen erkennbar. Der Kurator Harald Krejci und die Kuratorin Bettina Steinbrügge spinnen ein Netz von Bezügen, in dem die weltlichen Heilslehren


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