Buch der Stunde

Merkwürdige Menschen, haltlose Welt

Feuilleton | Anja Hirsch | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Franz Kafkas Welt ist sonderbar, bedrohlich und mitunter voll grotesker Komik. In ihr enden Gänge im Nirgendwo, und Menschen ändern plötzlich ihr Gesicht und ihre Absicht.

So geschieht es in dem Romanfragment "Der Verschollene“, das Kafkas Nachlassverwalter Max Brod 1927 unter dem Titel "Amerika“ herausgab. Kafka schrieb den ersten Teil des "Verschollenen“ - "Der Heizer“ - an nur einem Abend, "in unglaublicher Ekstase“, wie Brod erläutert.

Schrill und synkopisch klingt denn auch Max Knoths Eingangsmusik zu diesem Hörspiel. Hierarchisch geordnete Figuren bevölkern den bruchstückhaft gebliebenen Roman. Im Hörspiel finden sie sich vielstimmig angeordnet und in großer Stimmungsskala interpretiert. Andererseits reizt damals wie heute weniger das Orchestrale, sondern vielmehr die Eindimensionalität der Erzählperspektive. Sie ist Grund der großen Verstörung, welche Kafka-Texte hinterlassen: Er schaut, hört, empfindet allein durch Karl Roßmann. Niemand erklärt ihm und uns


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