Tiere

Offener Brief

Falters Zoo | aus FALTER 04/12 vom 25.01.2012

Sehr geehrter Winter,

wir haben Ihre Jahreszeit ausgewählt, um im klimatischen Jahresverlauf eine kalte Witterungsperiode zu erleben. Wir bedauern außerordentlich, Sie darüber informieren zu müssen, dass wir Ihren Wunsch auf unsere Teilnahme hiermit ablehnen müssen. Es ist verständlich, dass Sie über diese Entscheidung enttäuscht sein werden, aber Sie standen im Wettbewerb mit drei anderen exzellenten Jahreszeiten. Aufgrund Ihrer Präsentation seit dem 21. Dezember müssen wir Sie darüber informieren, dass sie nicht ganz die Standards für jene quartalsmäßigen Wettersaisonen erfüllen, an denen wir teilhaben möchten.

Wir ermutigen Sie jedoch, sich neuerlich zu bewerben, sofern Sie die Bereitschaft zeigen, unseren Qualitätskriterien (siehe im Folgenden) zu entsprechen.

Richtlinien für die kalte Jahreszeit:

1) Vermeiden Sie ein weiteres Ansteigen der durchschnittlichen Wintertemperatur im Alpenraum. Seit 100 Jahren hat sich die mittlere Temperatur im Alpenraum um 1,6 Grad erhöht, dadurch hat sich der Blühbeginn von Frühjahrspflanzen um 1,4 bis 3,1 Tage pro Jahrzehnt nach vorne geschoben.

2) Sichern Sie die Schneebedeckung des Bodens. Das Deutsche Klimarechenzentrum hat in Rechenmodellen eine Verminderung der Schneedeckendauer von 10% (Alpen) bis circa 80% (Waldviertel) prognostiziert. Der Effekt der Tarnfärbung mancher Tiere (Schneehase) verliert ihre Wirkung und alle unter dem Schnee Nahrung suchende Tiere (Mäuse) werden ihres Schutzes beraubt.

3) Überraschen Sie uns mit originellen Tiefsttemperaturen. Am 1. Jänner 1979 gab es in Österreich eine frische Neujahrsüberraschung. Obwohl die Silvesternacht circa plus zehn Grad warm gewesen war, überschwemmte arktische Kaltluft das Land und senkte bis zum Morgen die Temperatur um 25 Grad. Solche sprunghaften Schwankungen dezimieren nicht angepasste Invasoren. Das aus dem Mittelmeerraum stammende Usutu-Virus kann mangels dieser Kälteeinbrüche seit Jahren unter der heimischen Amsel-Population wüten.

Wir wünschen Ihnen jedenfalls bei Ihrer weiteren Suche nach anderen an Ihrer Witterung Interessierten das Allerbeste und danken Ihnen für Ihr warmes Interesse an uns.

Hochachtungsvoll.

Die 19-jährige Britin Elly Nowell hat der Eliteuniversität in Oxford ein sarkastisches Ablehnungsschreiben geschickt und damit eine Bildungsdebatte ausgelöst

Zeichnung: püribauer.com


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