Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Rachsüchtig?

Falter & Meinung | aus FALTER 05/12 vom 01.02.2012

Es gibt Konflikte, die kann man sich nur in einer Zeitung einhandeln. Klassiker: Theaterdirektor versus Kritiker. Erzklassiker: Erwin Piplits gegen den Falter.

Falter-Kritiker Roland Koberg, ein versöhnlicher Mensch, resümierte: "Vor knapp drei Jahren schrieb Wolfgang Reiter im Falter über die, Sterilität einer an ihrer blutleeren Schönheit zugrunde gehenden Inszenierung‘ des Serapionstheaters im Odeon, nicht unwitzig illustriert mit Erwin Piplits als Covermodel des Don-Gil-Journals. Das war unvorsichtig, und Mitarbeiter dieser Zeitung waren fortan nicht mehr willkommen. Als es Tanzkritikerin Mae Ost dennoch versuchte - sie dachte argloserweise, bei Gastveranstaltungen im Odeon gelte das Verdikt nicht -, jagte Piplits sie lautstark aus dem Haus.

Vor einem Jahr schlug ich als neuer Betreuer des Theaterressorts im Falter Amnestie für Streitunbeteiligte vor, wurde eingeladen und rezensierte. Offenbar genehm, denn öfter noch rief mich die Serapions-Pressedame mit der Bitte um gute Platzierung ihrer Fotos an, auch ein Lob von Bühne-Chefin Karin Kathrein am Falter-Apparat (Kobergs Telefonkolumne, Anm.) blieb unwidersprochen. Bis, ja bis Basta-Redakteur Heinz Sichrovsky, ‚am Apparat‘ nach seiner Theaterprognose 92 befragt, folgendes Bild wählte:, Ein aufgeblasenes und bemaltes Präservativ, das sich in einer Wolke aus Trockeneis und psychodelischen Klängen selber auflöst.‘ Ein akuter Rückfall, ganz klar. Also wieder keine Pressekarten für den Falter.“

Koberg nannte weitere Piplits-Ausgesperrte: Sigrid Löffler vom Profil und "das jüngste Opfer: Wiener-Redakteur Wolfgang Kralicek wurde, ohne zu wissen warum, auf den Index gesetzt. Recherche unvollständig, Selbsthilfegruppe theaterkritischer Wiederholungstäter im Aufbau begriffen (Kollegen, schon morgen kann es euch treffen!).“

Kralicek ist längst Kobergs Nachfolger im Falter. Und in der gleichen Ausgabe fand sich ein "Koberg am Apparat“ mit George Tabori, der das Serapionstheater in den höchsten Tönen lobte. Rachsüchtig war er nie, der Koberg. aT


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige