Zeit am Schirm

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 05/12 vom 01.02.2012

TV-Kolumne

Im trüben Teich der Fernsehprogramme sind auch dicke Fische leicht zu übersehen, die Serie "Big Love“ etwa (dienstags, 19 Uhr, auf TNT). Wer die Geschichte von einem Geschäftsmann, der als polygamer Mormone mit drei Frauen verheiratet ist, zum ersten Mal sieht, glaubt, er ist in einer Science-Fiction. Die Leute reden über und tun Dinge, die sich erst allmählich erschließen. Der Protagonist schläft jede Nacht bei einer anderen, verhält sich aber wie ein Pfaffe. So etwas kann es nur in ferner Zukunft geben - oder bei einer Sekte in Amerika. Irritation löst außerdem die Schauspielerin Chloë Sevigny aus, die eine verbitterte Ehefrau spielt. Man hat sie aus anderen Filmen als verkommenes Luder in Erinnerung.

Die außergewöhnliche Mischung aus radikaler Autonomie und rigider Moral ist das perfekte Modell für eine gesellschaftliche Zeitdiagnose. Leider läuft bereits die letzte der fünf Staffeln. Da heißt es den DVD-Player anwerfen.


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