Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die beste politische Aufklärung der Welt der Woche

Von Windhunden und Lemuren

Feuilleton | Joachim Schätz | aus FALTER 05/12 vom 01.02.2012

Das Serienfernsehen hat zuletzt zwei Modelle hervorgebracht, das politische Tagesgeschäft zu erzählen: Das erste heißt "The West Wing“ und ist eine in glänzende Dialogkaskaden gegossene drama series über das Team eines fiktiven US-Präsidenten.

Hinreißend geplappert wird auch in der britischen Kabinett-Comedy "The Thick of It“, aber statt progressiven Sendungsbewusstseins strahlen die Minister und Büroleiter hier vor allem den Wunsch aus, bis zum Feierabend ungeschoren davonzukommen. In bedrückend witzigen Halbstundenlektionen führt die 2005 gestartete Serie vor, wie Willfährigkeit, Überforderung und die hohe Kunst des Spin inhaltliche Positionen bis zur Unkenntlichkeit überformen.

Treibstoff der scharfen Komik war der Zorn des Satirikers Armando Iannucci auf die politische Kultur der New-Labour-Regierung. Im Zentrum der Serie steht eine atemberaubende Karikatur von Alastair Campbell, jenem obersten Öffentlichkeitsarbeiter Tony Blairs, der Geheimdienstdossiers über den Irak entsprechend Bushs Wünschen frisierte.

Peter Capaldi spielt ihn als Einschüchterungsvirtuosen mit dem Gehabe eines tollwütigen Windhunds. Nach mehreren Staffeln auf BBC haben Iannucci und sein Ensemble 2009 das traditionell laueste Filmgenre von allen geknackt - den Kinofilm zur Serie. Das Resultat heißt "In the Loop“, funktioniert ohne Vorkenntnis der Serie und erzählt von einer Kriegserklärung, für die erst ein paar missliebige Fakten und meinungsschwache Staatsdiener verbogen werden müssen.

Das Filmmuseum zeigt den Film am 2. und 3.2. als Österreich-Kinopremiere. Der Weg lohnt sich: Es braucht die große Leinwand, um alle bösen Details zu genießen, wenn Iannucci sein Pandämonium an Machern, Fixern, Karrieristen und Lemuren auslässt.


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