Urbanes Betragen

Stadtleben | aus FALTER 05/12 vom 01.02.2012

Benimmfibel für Großstadtmenschen (50)

Frau D. wüsste gerne, ob sie bei kulturellen Veranstaltungen immer klatschen muss oder nur, wenn sie das Dargebotene ehrlich wertschätzt?

Liebe Frau D., was den Applaus betrifft, kann man folgenden Denkschulen anhängen: derjenigen, die bereits den Auftritt beziehungsweise das Dargebotene per se mittels Beifall und Beklatschung belohnt; also den Mut, sich dem Publikum zu stellen. Die andere, differenziertere Variante, lässt sich nicht so einfach vom Sein und Schein beeindrucken. Sie verfolgt die Ansicht, dass der Applaus vielmehr dazu dient, das Ausmaß der Zufriedenheit kundzutun. Ergo wird nicht die Sache ihrer selbst willen beklatscht, sondern man drückt mittels Länge, Art und Heftigkeit des Beifalls aus, wie sehr einen die Darbietung berührt hat. Diese Variante ist nicht auf das bloße In-die-Hände-Klatschen reduziert. Sie umfasst auch Jubelrufe, oder gegebenenfalls das Ausbuhen.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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