Selbstversuch

Schaut das nicht sehr nach Regen aus?

Kolumnen | Doris Knecht | aus FALTER 05/12 vom 01.02.2012

Tag der Saulaune. Nicht ich, alle anderen hier. Beide Kinder brüllen schon in der Früh herum, der Lange hat sie falsch geweckt, entschieden nicht liebevoll genug, und außerdem ist es hier total kalt, wird denn hier überhaupt nicht mehr geheizt?

Du kommst mir immer mit den Eisbären, also, wenn es die Eisbären kalt haben sollen … genau. Und mach das Licht im Klo aus.

Das war ich nicht! Und hab ich dir nicht schon hundertmal gesagt, dass ich kein Frühstück will?

Ja, ich will auch kein Frühstück. Aber es gilt nun einmal landläufig als gröbliche Kindervernachlässigung, seinen Nachwuchs ohne Frühstück aus dem Haus zu schicken. Nur grindige Eltern machen das. Jeden Tag schmeiß ich zwei vertrocknete Marmeladetoasts weg, aber bitte, ich habe den Mimis Frühstück gemacht, mir kann keiner vorwerfen, dass ich in der Früh zu gewissenlos bin, um mich um das Wohl meiner Kinder zu sorgen. Und zieh dir was Warmes an, wir gehen am Nachmittag eislaufen.

Aber in diesem dicken Pulli ist mir viel zu heiß!

Gut, dann kann ich ja die Heizung wieder abdrehen.

Apropos eislaufen. Der Eislaufplatz am Rathausplatz ist heuer wirklich leiwand, mit dieser endlosen Bahn durch den Park. Und Eislaufen ist ja auch so gesund, seit sich die Mimis nicht mehr links und rechts an mich dranhängen und mir mit jähen Stolperern den Rücken ausrenken. Wir würden an dieser Stelle deshalb bitte gerne folgendes Votum abgeben: Scheißma auf den Christkindlmarkt und tun wir stattdessen den ganzen Winter am Rathausplatz eislaufen. Für die Eisbären ist es natürlich nicht so gut, aber für meine Figur.

Besonders angesichts des Stadthallendebakels, das einen zwingt, auf alternative Volkssportarten auszuweichen, um jetzt endlich gegen die Winterfaulheit anzugehen, die einen blad und träge macht und dazu führt, dass man schließlich gar nicht mehr aus dem Haus geht, nicht einmal mehr zu Rückenyoga. Puhh, das geht sich heute irgendwie gar nicht aus. Und schaut das nicht nach Regen aus.

Wobei es wirklich schwer zu glauben ist, dass die doch in der ganzen Welt als Technologiemetropole berühmte Stadt Wien nicht in der Lage ist, ein Hallenbad so zu reparieren, dass das Wasser nicht ausläuft. An und für sich würde man meinen, dass die Pooltechnologie bereits international derart elaboriert ist, dass es dem Menschen möglich ist, ein Becken zu bauen, das das Wasser halten kann. Und wo die Verantwortlichen nicht erst drei Wochen vor der Eröffnung draufkommen, dass da was mörder nicht stimmt, und man erst Sachverständige und Anwälte einschalten muss, damit man überhaupt nur weiterbauen kann. Bitte, ich nehme das persönlich.

Saulaune, ja, ich jetzt auch, die Mimis sind schuld. Und der Lange. Der kriegt heute Abend einen Schnellkurs in zärtlichem Wecken, dann ist es morgen vielleicht besser.


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