Fragen Sie Frau Andrea

Zeigt uns die Corna, die gehörnte Hand

Kolumnen | aus FALTER 05/12 vom 01.02.2012

Liebe Frau Andrea,

in einer U-Bahn-Station kamen uns neulich ein paar düster aussehende Typen entgegen. Einer von ihnen reckte die Hand zu diesem seltsamen Gruß, bei dem Index- und kleiner Finger abgespreizt werden. Ist das ein Verwünschungszeichen? Eine Freimaurer-Erkennungsgeste? Muss ich mich fürchten?

Lydia Werner, Margareten,

per Elektrobrief

Liebe Lydia,

Sie müssen sich nicht akut ängstigen, die von Ihnen beobachtete Geste ist harmlos, wenn auch mehrdeutig. Ein Freimaurercode ist das Zeichen nicht. In masonischen Kreisen werden Handgriffe zur gegenseitigen Erkennung eingesetzt, diese aber eher diskret. Im Freimaurertempel werden zwar auch Gesten verwendet, mit der von Ihnen reportierten sind diese aber nicht verwechselbar. Die Figur der Hörner, italienisch corna, ist unter mano cornuta (gehörnte Hand) bekannt.

Das Zeichen taucht schon auf etruskischen Grabsteinen auf und darf dem reichen Themenkreis Abwehrzauber zugeordnet werden. Heimlich hinter dem Kopf einer Person gezeigt, kann die gehörnte Hand den gehörnten Ehemann symbolisieren. Statt auf Holz zu klopfen oder Eisen zu berühren (toccaferro), können abergläubische Italiener auch die corna zeigen, um erwähntes Unheil abzuwehren.

Die Typen aus der U-Bahn dürften dem Metal-Lager zuzuordnen sein. Dieses Genre kennt die Geste als metal sign, metal horns oder maloik. Als dessen Urheber hielt sich der italoamerikanische Metal-Sänger Ronnie James Dio, der das von ihm so genannte Maloik-Zeichen von seiner italienischen Großmutter abgeschaut hatte und ab 1979 öffentlich verwendete. Oma Dio hatte die corna noch gegen den bösen Blick eingesetzt, den malocchio.

Kiss-Bassist Gene Simmons will schon 1977 metallisch gegrüßt haben, Black-Sabbath-Kollege Terry Butler gar schon 1971. Hatte er das Zeichen von den Funk-Priestern George Clinton und Bootsy Collins übernommen? Die Parliament-Funkadelic-Musiker kannten die Geste als P-Funk-Sign, als Passwort für ihre schwarze Mothership-Mythologie. Noch früher, nämlich 1969, tauchen die Hörner bei der Psychedelic-Schwarzmessen-Rock-Band Coven auf. Den Vogel schießt John Lennon ab, er zeigt die corna 1968 auf dem Cover des Beatles-Albums "Yellow Submarine“.


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