Musik  Tipp Pop

Der Räuber und der Prinz sind wieder in der Stadt

Lexikon | aus FALTER 05/12 vom 01.02.2012

An Punk mochten wir in erster Linie die Energie“, erklärte Robert Görl, der Schlagzeuger und Elektronik-Beauftragte der Deutsch- Amerikanischen Freundschaft (kurz: DAF) 2003 im Falter-Interview anlässlich der Comebackplatte "Fünfzehn Neue DAF Lieder“, die das Werk der Düsseldorfer Band zwar nicht wesentlich ergänzte, ihm aber auch keinen gröberen Schaden zufügte. "Musikalisch war uns von Anfang an klar: Vorsprung durch Technik!“ Und sein für den gebellten Gesang zuständiger Bandkollege Gabi Delgado ergänzte: "Durch Punk gab es plötzlich völlig neue Regeln. Warum sich eine so moderne, neue Energie um die Instrumente der Väter schart, habe ich von vornherein nicht verstanden. Ich fand, dass eine derart radikale Bewegung auch andere Musik braucht.“

Genau darum habe sich DAF auch höchst erfolgreich gekümmert, nachdem von der ursprünglichen Quintettbesetzung nur mehr ein Duo übrig geblieben war. Parolenhafte deutsche Texte kombinierte man in Songs wie "Verschwende deine Jugend“, "Der Mussolini“ oder "Der Räuber und der Prinz“ mit hochkonzentrierter, minimalistischer und ungemein intensiver Musik, die praktisch ausschließlich aus Rhythmus bestand und DAF vorübergehend auch eine internationale Gefolgschaft bescherte.

"Wir wollten Sex mit drin haben“, erklärte Görl das ureigene Punk-Verständnis der Elektropop-Miterfinder. "Maschinen und Sex, das hat uns damals interessiert.“ Vor einigen Jahren demonstrierten die durchaus passabel gealterten Herren Görl und Delgado bei einem Konzert in der Szene Wien, dass eine sanfte Form der Selbstironie nicht die schlechteste Strategie ist, mit seinem Legendenstatus umzugehen. Jetzt gibt es, wiederum in der Szene, ein Wiedersehen mit der Deutsch-Amerikanischen Freundschaft. Support: Tyske Ludder (D). GS

Szene Wien, So 20.00


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