Kritik

Wiener Horváth-Contest: Sieg für die Josefstadt

Lexikon | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

Nach Inszenierungen im Volkstheater (2008) und im Akademietheater (2010) hatte Ödön von Horváths bitterböses Volksstück "Geschichten aus dem Wiener Wald“ nun auch in der Josefstadt Premiere, wo es eigentlich am besten aufgehoben ist - gehört doch eine "stille Straße im achten Bezirk“ zu den Hauptschauplätzen. Die Tragödie der jungen Marianne, die aus dem Joch ihres kleinbürgerlichen Vaters ausbricht und dafür bitter bezahlen muss, findet hier allerdings durchgehend im Wald, zwischen Baumstämmen, statt.

Herbert Föttinger erweist sich einmal mehr als souveräner Regisseur. Seine szenische Intelligenz zeigt sich beispielhaft an zwei Nacktszenen. Am Anfang, wenn Marianne beim Baden in der Donau den Strizzi Alfred küsst und dabei überrascht wird, lässt Föttinger sie - anders als im Stück vorgesehen - nackt auftreten. Die Schutzlosigkeit, aber auch der Mut Mariannes werden dadurch sehr anschaulich gemacht. Ganz anders löst Föttinger jene immer etwas problematische Szene nach der Pause, in der Marianne im Maxim auftritt: Diese Nacktszene findet hier im Off - also gar nicht - statt.

Neben der erst 22-jährigen Alma Hasun, die die Marianne überzeugend mit ungekünstelter Lebenswut ausstattet, gibt es mit Thomas Mraz (Kabarettgehern als Partner von Michael Niavarani bekannt) einen weiteren Schauspieler zu entdecken; Mariannes Verlobten, den Fleischhauer Oskar, spielt er mit teigiger Grausamkeit. Die anderen Hauptrollen des Stücks sind bei Erwin Steinhauer (Zauberkönig), Florian Teichtmeister (Alfred), Sandra Cervik (Valerie) und Erni Mangold (Großmutter) sowieso in besten Händen. Keine Frage: Den Wettstreit der Wiener Großbühnen um die beste Inszenierung der "Geschichten aus dem Wiener Wald“ hat die Josefstadt für sich entschieden WK

Theater in der Josefstadt, Sa, Mo, Do 19.30


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