Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

Die Redaktion erklärt sich selbst

Für einen kurzen Moment konnte jemand, der die Räumlichkeiten in den letzten Monaten so gut wie ausschließlich zu dem Zwecke betreten hatte, um die an die Redaktionsadresse gesandten Amazon-Pakete nach Hause zu tragen, irritiert sein. Alle Versuche, im Rahmen der Produktionssitzung deren offiziellem Widmungszweck zuwiderlaufende Themen zu lancieren und die Kolleginnen und Kollegen ein wenig zum Plaudern zu verleiten, stießen auf ungewohnten Widerstand. Man sei hier, um zu arbeiten, wurde dem noch etwas fremdelnden Heimkehrer freundlich, aber unmissverständlich beschieden.

Ein kleiner Scherz unter Freunden, wie sich wenige Tage später herausstellte. Da erschien Florian Klenk mit üppiger Verspätung zur Sitzung und bat präventiv um Disziplin, nur um dann Anekdoten aus seiner Jugend- und frühen Berufszeit zu erzählen und mit Armin Thurnher über die Frostprävention bei Rhododendren und die fachgerechte und hygienische Pflege von Saunazubehör fachzusimpeln.

Auch ansonsten wich die sanfte Desorientiertheit, die sich beim Betreten der Redaktion zunächst eingestellt hatte, schnell einem wohligen Gefühl der Vertrautheit: Der Redaktionsjacuzzi wies unschöne Schlieren auf, der Hausschuhwärmer war defekt (ausgerechnet jetzt!), und der Minzestößel für den Mojito dümpelte im brackigen Abwaschwasser; was aber insofern auch schon wurscht war, da ohnedies niemand Minze nachgekauft hatte. Als Cocktail kam wieder einmal nur "Träne einer Komsomolzin“ infrage. Sa sdorowje!


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