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Politik | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

Bücher, kurz besprochen

Der Hass auf Kohl

Es gibt in Europa nicht viele bedeutende lebende Staatsmänner, die in ihrer Heimat so unpopulär sind wie der deutsche Exkanzler Helmut Kohl. Warum ist es eine so große Wut auf diesen Politiker vorhanden, fragte Berthold Franke, Europabeauftragter des Goethe-Instituts, in einem Aufsatz in der Zeitschrift Merkur.

Der Autor vertritt eine höchst bemerkenswerte Position: Kohl, ein Machtpolitiker der Extraklasse, der nicht mit Intellekt, sondern mit Instinkt und Bauernschläue geherrscht hat, weigerte sich 1999, als er in einen riesigen Spendenskandal verwickelt war, seine Geldgeber zu verraten. Damit habe er der Öffentlichkeit gezeigt, dass er sich einem "Ehrenkodex“ verpflichtet sieht, "der über Recht und Gesetz steht“. Welch Demütigung für eine stolze Demokratie, von solch einem Mann 16 Jahre lang regiert worden zu sein.

Wolfgang Zwander

Berthold Franke: Wut auf Kohl. In: Merkur, deutsche Zeitschrift für europäisches Denken. Heft 2, Klett-Cotta,


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