Schrullis auf hoher See

Feuilleton | Buchbesprechung: Sigrid Löffler | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

Zauberhaft: Michael Ondaatjes Schiffsreise- und Adoleszenzroman "Katzentisch“

Gewitzte Autoren wissen das: Erzählte Schiffsreisen haben eine fatale Neigung zur Allegorie. Wenn also ein postkolonialer Autor wie Michael Ondaatje, der in seinen Romanen und seinem Leben seit jeher zwischen Ost und West, zwischen dem indischen Subkontinent, England und Kanada pendelt, die Schiffsreise eines elfjährigen Buben erzählt, der im Jahr 1954 von Ceylon (heute: Sri Lanka) nach England fährt, dann lauern die Allegorien hinter jedem Archipel.

Aha, denkt der Leser, da geht es wohl wieder einmal um einen multiplen Übergangsritus: die Schiffspassage als Abschied von der Kindheit und vom British Empire, als Übergang von der kolonialen Peripherie ins Zentrum des verdämmernden Weltreiches; das Ganze an Bord eines Ozeanriesen situiert, dessen Passagiere und Besatzung einen Mikrokosmos der kolonialbritischen Rassen- und Klassengesellschaft darstellen. Das Schiff überdies als Narrenschiff, na klar.

Zum Glück


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