Der Bub ist böse, und sie ist Friseuse

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

"Der Junge mit dem Fahrrad“ der Brüder Dardenne widmet sich einmal mehr dem Zorn eines Kindes

Er bockt. Er tobt. Er haut ab. Kinder wie Cyril sind im Kino selten. Meistens dienen sie bloß als Aufputz, manchmal sind sie Ausgeburt des teuflisch Bösen. Ernst genommen werden sie praktisch nie.

Cyril ist zehn, vielleicht elf. Er trägt eine rote Jacke, ein rotes T-Shirt, immer, in beinah jeder Szene des Films. Wie einst James Dean in "Rebel Without a Cause“, dessen rotes Blouson zu seinem Markenzeichen wurde. Nur hat Cyril guten Grund zum Rebellieren: wegen seines Fahrrads nämlich. Sein Vater Guy hat ihn vor einem Monat in einem Kinderheim untergebracht. Er hat Cyril versprochen, ihm sein Fahrrad vorbeizubringen - und später ihn selbst wieder zu sich zu nehmen.

Wie jeder Film der Brüder Dardenne so beginnt auch "Der Junge mit dem Fahrrad“ mitten drin in der Geschichte. Es dauert keine fünf Minuten, da haut Cyril bereits zum zweiten Mal aus dem Heim ab. Rennt durch die halbe Stadt zu


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