Wien, du versnackte Stadt!


Analyse: Florian Holzer
Stadtleben | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

Schnitzel war gestern, die Bratnudel regiert Wien. Eine gastronomische Identität am Scheideweg

Rein gefühlsmäßig waren die Hälfte aller Lokale, die in den vergangenen zwei Jahren in Wien eröffneten, Imbisslokale im weitesten Sinne. Suppenküchen. Krabbensandwichstapler. Quichebäcker oder Salatmacher. Nudeldrucker. Rollenwickler. Schinkenselcher. Sushibastler und Spießchengriller. Also nicht das klassische Restaurant mit Küche und Gastraum, Küchen- und Servicebelegschaft, sondern eine Budel, hinter der irgendein Selbstverwirklicher steht, der kleine Portionen von irgendetwas Selbstgemachtem verkauft, das sich von den kleinen Portionen der anderen Selbstverwirklicher möglichst zu unterscheiden habe. Und außerdem möglichst an New York erinnern soll. Oder London. Und natürlich an Berlin.

Das Gefühl trügt nicht: Die gastronomische Landschaft Wiens - jahrzehntelang eher unerschüttert und in ihren Grundstrukturen von Veränderungen weitgehend verschont - scheint sich gerade im radikalen

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