Phettbergs Predigtdienst

Der Bodenkater mit seinem Bui

Kolumnen | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

Zum ersten Mal träumte ich nur von Vögeln. Sie hatten sich in Nischen meines Elternhauses einquartiert. Das Haus musste ich vor zehn Jahren verkaufen, sonst hätte es das Finanzamt gehabt. Das Ende meines Liedes ist, dass mich die "Nette Leit Show“ mein Elternhaus gekostet hat. Erst jetzt beherrsche ich dank meines Sachwalters meinen finanziellen Haushalt. Das war aber nicht der Inhalt des Traumes. Die Vögel fühlten sich wohl im leerstehenden Haus, und ich schaute ihnen gerne zu.

Wenn ich mit Vata am Traktor durch Obernalb fuhr, werden die Obernalbys gesagt haben: "Da kommen der Bodenkater mit seinem Bui“, denn diesen Schimpf hatte mein Vata.

Nun lebe ich mein Bodenkater-junior-Sein in meiner Wohnung zu Ende. Daran musste ich vorgestern denken, als ich auf Ö1 den "Hagestolz“ von Stifter hörte.

Ich bin auch ein Hagestolz, der nun zusehen muss, wie ihm geschieht. Nur wenige Zitate kenn ich von meiner Mama, die viel nobler und liberaler war, als du denkst; z.B. sagte sie: "Beim Glauben ist der Arsch das Höchste.“ Mama war zweimal verheiratet. Ihr erster Mann war in Stalingrad gefallen und Mama hat ihn ohne Ende betrauert. De facto als Art priesterliches Opfer wurde ich dann gezeugt. Meine Eltern kann ich nur als streitsüchtig benennen. Daraus formte ich mein "Integriertes Gesamtjenseits“.

Als Papst Johannes XXIII. zum Zuge kam, hat mir Pater Alois Meinrad Schmeiser aus Rom eine Ansichtskarte mitgebracht: Alle Welt musste Johannes XXIII. lieben! Das Foto war so schön, dass ich als ca. Zehnjähriger mit meiner Standcollage begann. Die Mama hatte einer Gipsstatue der Maria aus Lourdes ihren Brautschleier ums Haupt geschlungen. Immer zum Fronleichnamsumzug wurde die Figur ins Fenster gestellt. Den Rest des Jahres spielte ich mit ihr mein damaliges Priester-werden-Wollen.

Als Zwei- bis Dreijähriger war ich am liebsten bei den Ferkeln im Stall, dann aber doch unendlich glücklich, zum Schlafen zu den Eltern gehen zu dürfen. So bildete sich in mir erstmals das Tätigkeitswort "beten“: Erstens, weil ich kein Nutscha (Kleinschwein) geworden war, noch, zweitens, eine unbewegliche Kleiderpuppe wie jene in der Auslage der Kleiderhandlung Zach am Kremsertor.

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