Tiere

Cool bleiben

Falters Zoo | aus FALTER 06/12 vom 08.02.2012

Ja, so soll das sein, wenn man seine Konsumentenrechte einfordert! Vor zwei Wochen habe ich hier einen geharnischten Brief an den zahmen Winter geschrieben und dieser hat sofort und zackig mit einer Kältewelle reagiert. Jetzt gilt es, Maßnahmen gegen den Frost zu setzen. Also unbedingt das am Balkon oder in den Stallungen gelagerte Bier hereinholen, denn bereits unter zwei Grad Celsius kommt es zur Kältetrübung durch Ausfällung von Eiweißgerbstoffverbindungen und das Bier wird bitter.

Aufgrund ihres hohen Wassergehalts frieren Hopfengetränke auch schnell ein: Märzenbier bei minus zwei Grad, Bockbier bei minus drei Grad. Als Faustformel für den Gefrierpunkt alkoholischer Getränke gilt in etwa: Alkoholgehalt durch zwei dividiert. 40-prozentiger Wodka erstarrt ab ca. -20 Grad, also Lagerung im Drei-Sterne-Gefrierfach ist möglich, Freilandhaltung im Waldviertel zurzeit aber nicht.

Doch nicht nur für unsere Lieblingsgetränke, sondern auch für unsere lieben Tiere sind die Minusgrade ein Problem. So müssten eigentlich die Körperflüssigkeiten bei den in antarktischen Gewässern lebenden Fischen gefrieren. Fischblut vereist zwar erst bei ca. minus 0,9 Grad, doch das Wasser der antarktischen Meere kühlt wegen des hohen Salzgehalts auf noch niedrigere Temperaturen ab.

Wechselwarme Lebewesen begegnen diesem Problem mit unterschiedlichen Strategien: Sie behindern das Wachstum der Eiskristalle durch Produktion spezieller Eiweißstoffe, die sich fest an die entstehenden Eiskristalle im Körper binden und so deren weitere Wasserabsorption und damit ihr sukzessives Wachstum verhindern.

Die andere Methode zum Schutz gegen die innere Vereisung besteht darin, ein eigenes Frostschutzmittel zu produzieren. Zum Beispiel den Alkohol Glycerin, der die Köperflüssigkeit zähflüssiger werden lässt und damit die Eiskristallbildung erschwert. Dadurch überleben manchen Insekten ein "Supercooling“ bis -20 Grad. Der nordamerikanische Waldfrosch schützt sich mit Traubenzucker vor dem Gefrieren. Seine Leber beginnt im Herbst mit der Produktion zusätzlichen Zuckers und sein Blutzuckerspiegel steigt bis zum Winter auf das 250-Fache des Werts im Sommer an. Blut gefriert dann erst unter minus vier Grad. Also alles Alkoholiker oder Diabetiker! Da verbringt man doch lieber als gutgeheiztes Säugetier die kalten Tage.

Der Ausdruck "Mir geht der Arsch auf Grundeis“ stammt aus der Binnenschifffahrt, da Flüsse von der Sohle her zufrieren und Boote mit ihrem Kiel plötzlich festsitzen

zeichnung: püribauer.com


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