Theater Kritik

Bisschen viel auf einmal: Oliver Kluck im Kasino

Lexikon | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Der 31-jährige Oliver Kluck gehört zu den meistgefragten jungen Dramatikern Deutschlands: Mit dem distanzierten Blick und dem galligen Humor des gerade noch in der DDR sozialisierten Autors begibt er sich ins Herz der kapitalistischen Gesellschaft. In "Warteraum Zukunft“ (2010) etwa kann man einen Tag im Leben eines leitenden Angestellten erleben - aus der erschreckenden Innenperspektive des Protagonisten. Die Gesetze des Markts bedingen aber auch, dass Kluck derzeit einen Stückauftrag nach dem anderen erledigen muss. Die Qualität kann er dabei nicht ganz halten.

In Wien stellte sich Kluck - bereits kurz vor Weihnachten - mit "Die Froschfotzenlederfabrik“ vor. Das Stück, dessen Titel einen in der DDR angeblich populären Ausdruck für billiges Kunstleder zitiert, ist ein einigermaßen groteskes Familiendrama: Der Vater (Michael König) ist ein Unternehmer, der Uniformen für Neonazis herstellt. Die Tochter (Jana Schulz) arbeitet als Pornodarstellerin. Die Mutter (ebenfalls Michael König) hat ein Alkoholproblem und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Ihr behandelnder Arzt (Philipp Hauß) wiederum hat ein Verhältnis mit der Tochter. Bisschen viel auf einmal, könnte man sagen. Das gilt auch für Anna Bergmanns Uraufführungsinszenierung. Die erstmals in Wien engagierte Regisseurin will ihrem Ruf als "explodierendes Fräuleinwunder des deutschen Theaterbetriebs“ (Süddeutsche Zeitung) gerecht werden und brennt ein Feuerwerk an Regieeinfällen ab: Unter anderem werden eine große Showtreppe, Comickulissen, DDR-Videos, Badeschaumspiele, Go-go-Tanz sowie ein Migrantenchor aufgeboten, als Draufgabe gibt’s noch eine "Thriller“-Choreografie. Kein wirklich gelungener Abend. Aber es hat schon bessere Aufführungen gegeben, die weniger Spaß gemacht haben. WK

Burgtheater-Kasino, Mo, Di 20.00


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige