Indepainted: Möglichkeitsformen malerischen Ausdrucks

Steiermark : Programm | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Die verschiedenen Tode, welche der Malerei im 20. Jahrhundert schon angedichtet wurden, haben letztlich nur gezeigt, wie unausrottbar das Verlangen ist, Farbe auf Leinwand zu verteilen, daraus ein sinnfälliges und ästhetisches Ganzes werden zu lassen. Statt sie einzumotten haben sie die Malerei, die sich dadurch öfters neu erfinden musste, frei gespielt von Vorschriften, wie ein Bild zu funktionieren habe oder was ganz generell denn Kunst zu nennen wäre. Heute darf jeder malen, wie er möchte. Die Galerie artepari trägt dem Umstand mit dem zweiten Teil der Reihe "Indepainted“ Rechnung, ruft Positionen zeitgenössischer Malerei in Österreich auf, die einen nervös machen können, trägt man unterm Kleinkarierten noch die Perlenkette plausibler Stilabfolge vor dem Herzen.

Die recht jungen Künstler Veronika Dirnhofer, Christian Eisenberger, Andrea Fian, Klaus Wanker und Wolfgang Wirth mixen statt dessen ungezwungen auf, was die Kunstgeschichte an selbstreflexiver Malkunst so zu bieten hat. Dabei wird verquirlt, was frühere Generationen mühsam auseinanderdividierten: Figuration und abstraktes Informel schließen sich nicht länger aus, Architektur, Landschaft und abstrakte Farbgeflechte sind nicht länger separate Genres. Wenn sich Malrausch und verträumte Poesie zusammentun, kann selbst der unerzogen rohe Pinselstrich das freikörperkulturelle Paradies beschreiben. Dass dabei kein Schwulst aufkommt, verdankt sich einem Habitus ironischer Distanz: Bestechende Sinnlichkeit oder gar Romantik werden heute dem gesuchten Zufall überlassen. Oder halt dem Auge des Betrachters. F

artepari, Graz, bis 20.3.


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