Vor 20 Jahren im Falter  

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Soll er?

Was Wien und den Falter vor 20 Jahren zu einer Umfrage bewegte: Erstens, soll Claus Peymann neuerlich einen Vertrag als Burgtheaterdirektor vorgelegt bekommen, zweitens, soll er ihn unterschreiben, drittens, was dann? Der Kultursprecher der ÖVP, Rudolf Czerny, antwortete papierformgemäß mit: "1. Nein. 2. Hoffentlich nicht. 3. Wenn er unterschreibt, wünsche ich mir und uns ein besseres Burgtheater!“ (Die Antwort war in Versalbuchstaben gehalten.)

Die beste Antwort kam von Johannes Voggenhuber, "Bundeskultursprecher der Grünen“ (was es alles gab!): "1. Wer sonst? 2. Ja, weil die Verlockung, hinausgeekelt zu werden, sicher von der Absicht übertroffen wird, sich weiter hineinzuekeln. 3. Gutes Theater von und schlechtes Theater um Peymann, was sonst?“

Kulturminister Scholten begründete, warum er Peymann halten wolle: "Es ist für mich eine Haltungsfrage, ob in diesem Land eine Aufregung verursachende künstlerische Arbeit Akzeptanz findet. Und bei mir findet sie Akzeptanz.“

Der letzte Eintrag in der Falter-Chronik "Peymann in Wien“ lautete: "Februar 92: Minister Scholten sagt in der ‚Pressestunde‘, er rechne nach der ‚Macbeth‘-Premiere mit einer Vertragsunterzeichnung Peymanns bis 96. Gert Voss erhält eine Bombendrohung und bekommt Grippe.“ Peymann unterschrieb und blieb bis 1999.

Auf der Politikaufmacherseite kommentiert Doris Knecht (Schlussredaktion) die Idee einer Teilentkriminalisierung des Drogenkonsums: "Beginnen könnte (der Umdenkprozess) damit, dass man anfängt, Drogenkonsumenten als einen Teil der Gesellschaft und nicht als Delinquenten außerhalb der bestehenden Ordnung zu betrachten, und realistisch auf die Zusammenhänge zwischen Prohibition und Suchtelend eingeht: Denn nicht die Droge ist böse, sondern ihr Verbot, das die Konsumenten zwingt, Suchtmittel auf illegalem Weg zu beschaffen, unter gesundheitsgefährdenden Umständen zu konsumieren und aufgrund des vollkommen überhöhten Marktpreises in Existenznöte und dadurch in die Kriminalität treibt.“ AT


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