Kommentar  

Als die unheilige Allianz das Weltfriedensdenkmal stürzte

Christliche Toleranz

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Gföhl liegt im Waldviertel, es gibt ein paar Rad- und Wanderwege, sonst ist es da nicht weiter aufregend. Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte es berühmt werden können: als Mini-Mekka für Buddhisten, als Tourismusmagnet in Niederösterreich.

Der buddhistische Wiener Verein Pyung Hwa Sa wollte auf dem Hügel im Osten der 3700-Einwohner-Gemeinde Europas größtes Weltfriedensdenkmal schaffen, einen sogenannten Stupa. Die große Mehrheit der Gemeinderäte war dafür; Tourismus bedeutet Geld.

Doch dann regte sich Widerstand gegen den geplanten Bau. Rechte Politiker und erzkatholische Hardliner schmiedeten eine unheilige Allianz. Sie riefen zum Kreuzzug gegen den buddhistischen Eindringling, der "Erleuchtungsturm“ sollte fallen. Der Verein der Freunde der Priesterbruderschaft St. Pius X. schickte aus dem Nachbarort Kampfschriften an die Gföhler. Darin standen Sätze wie: "Buddhismus und Christentum sind unversöhnbare Welten. Buddhismus ist gottlos.“ Oder: "Wir können ihr oft nicht entfliehen, wir müssen uns der multikulturellen Gesellschaft leider oft stellen und das Beste daraus machen. Müssen wir deshalb aber unbedingt überall Stupas oder Moscheen errichten?“

Wahrlich, ich sage euch: Stupas und Moscheen sind rar gesät im Land der Katholen. Vergangenen Sonntag stimmten die Gföhler Bürger über den Bau ab, mehr als die Hälfte ging zur Wahl. Zwei Drittel waren dagegen, der Stupa wird jetzt nicht gebaut.

Es gibt da diesen Satz in der Bibel, er ist so etwas wie die christliche Kernbotschaft: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Strenggläubige Christen sollten ihn eigentlich kennen.


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