Am Apparat  

Was machen die Obdachlosen im Puff, Herr Laskaris?

Telefonkolumne

Politik | Interview: Nina Horaczek | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Weil in der Ferienzeit beim käuflichen Sex "tote Hose“ herrsche, quartierte Peter Laskaris, Betreiber des "Red Rooms“-Laufhauses in Meidling, Obdachlose ein, damit diese nicht im Freien frieren müssen.

Wie kamen Sie auf die Idee, Obdachlose in Ihr Bordell zu holen?

Ich habe auf Facebook den Aufruf an die ÖBB gelesen, die Bahnhöfe wegen der Kälte zu öffnen. Bei uns ist in den Energieferien wenig los, da fahren die Familienväter Ski, also schliefen zehn Obdachlose in unseren Zimmern.

Wie kam die Aktion an?

Das war so super, dass wir die Zimmer sogar einige Tage länger zur Verfügung stellen. Ich hatte am Anfang Ängste, dass lauter verwanzte und verlauste Typen kommen. Aber das waren ganz normale Leute.

Was haben die Männer von Ihnen bekommen?

Ein warmes Bett, frisches Bettzeug, eine Duschmöglichkeit und einen Fernseher. Die haben das sehr genossen.

Werbetechnisch hat die Aktion Ihrem erst vor drei Monaten eröffneten Bordell auch nicht geschadet.

Stimmt. Seit die Tageszeitung Heute über die Obdachlosen im Bordell berichtete, waren wir auf CNN, in der Neuen Zürcher Zeitung, im ORF, sogar eine indische Zeitung hat vorbeigeschaut. Es gab aber auch tolle Reaktionen aus der Nachbarschaft: Eine 80-jährige Frau aus dem Bezirk war zum ersten Mal im Bordell und hat uns frische Wäsche für die Obdachlosen vorbeigebracht. Dann stand plötzlich ein Mann da, und ich dachte, er ist ein Kunde. Dabei hat er uns einen Sack Kartoffeln als Spende hingestellt.

Wird es in Zukunft weitere Puff-Charity-Aktionen von Ihnen geben?

Jetzt ist erst einmal Pause. Am Mittwoch kommt die Volkshilfe und reinigt uns kostenlos die Matratzen. Aber uns hat das Ganze so viel Spaß gemacht, dass wir beschlossen haben, jedes Jahr eine Hilfsaktion durchzuführen.


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