Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Ab und zu vertausche ich die TV-Couch mit einem Kinosessel, um Filme auf absurd großen Leinwänden und umgeben von schmatzenden Fremden zu konsumieren. Stets achte ich darauf, ob und wie die ebenso verbreitete wie actionarme Tätigkeit des Fernsehens darin vorkommt. Ein schönes Beispiel liefert das Familiendrama "The Descendants“, in dem George Clooney die Scherben einer dysfunktionalen Familie zusammenkehrt.

Die Tochter gibt sich dem Suff hin, um der häuslichen Lieblosigkeit zu entfliehen. Die Mutter sucht in einer Affäre den Kontrast zum bleiernen Ehealltag. Ein Unfall bringt die gekränkten und vereinsamten Menschen wieder zusammen. Sie streiten, weinen und umarmen sich. Nachdem die Stürme der Leidenschaft über die verregnete Bahamainsel hinweggefegt sind und die Mutter beerdigt ist, versammeln sich die anderen vor dem TV-Gerät. Menschen kuscheln auf der Couch und schauen Pinguindokus. So schön ist Fernsehen!


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