Die freien Sklaven

Bericht: Benedikt Narodoslawsky | Medien | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Immer mehr freie Journalisten werden von der heimischen Medienbranche ausgebeutet. Ihre wirtschaftliche Zwangslage bedroht den unabhängigen Journalismus in Österreich

Irgendwann hatte sich Tobias krank geschuftet. Seine Wirbelsäule war hinüber, zwei Monate dauerte die Therapie. "Sie müssen Ihr Leben ändern“, sagte der Arzt, er sprach von psychosomatischen Problemen, von zu viel Stress. Tobias hatte für seinen Job sein Privatleben aufgegeben, manchen Freund verloren. "Es geht nicht, dass wir uns etwas ausmachen und du nie zu den Treffen kommst“, sagten sie zu ihm.

Tobias rackerte bis zu 60 Stunden in der Woche - manchmal sechs Tage in der Redaktion, manchmal sieben, immer abrufbereit. Die Zeitung überwies dem jungen Akademiker am Ende 800 Euro brutto pro Monat. Ein Stundenlohn von etwa 3,70 Euro. Tobias sagt: "Emotional war das schwierig, weil ich so wenig verdient habe und nicht wusste, ob ich im nächsten Monat auf der Straße stehe.“ Tobias war freier Journalist.

Freier Journalist

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