Buch der Stunde

Über allen Gipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln ...

Feuilleton | Andreas Kremla | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Für eine Gedichtinterpretation galt es in der Schule 300 oder 500 Wörter zu schreiben. Der Musikwissenschaftler und Essayist Sebastian Kiefer hat einem Poem ein ganzes Buch gewidmet. Auf knapp 200 Seiten führt Kiefer durch jene acht Zeilen Goethes, die dieser mit "Ein gleiches“ übertitelt hat: "Über allen Gipfeln / Ist Ruh (...)”.

Der Berliner Literaturwissenschaftler und Universalgelehrte Sebastian Kiefer beginnt damit, über eine ganze Reihe von Seiten zu zeigen, dass die vermeintliche Verlegenheitslösung des Titels einen Teil der Komposition darstellt. Sich langsam und achtsam mit genau einem Ding zu befassen, das hat etwas Meditatives. Seine Art der Betrachtung passt dazu: Wohl vergleicht er mit alternativen Versionen, setzt sich mit "Irrungen und Wirrungen der Rezeption“ auseinander, untersucht Metrik und Klang. Doch Kiefer lässt Goethe ganz. Weder seziert er die Zeilen mit akademischem Besteck zu Tode, noch zieht er den Lebenslauf des Dichters heran, um dessen Werk zu


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