Ohren auf  

"Fusion“ muss kein Schimpfwort sein

Sammelkritik: Jazz, made in Austria

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

In den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren wurde eine Waffe entwickelt, deren Vernichtungspotenzial Angst und Schrecken zu verbreiten vermochte: der Fusion-Jazz. Ideologisch legitimiert wurde er von einer Apologie der Grenzüberschreitung, die mittlerweile zum Mainstream geworden ist. Es ist wie beim Kochen: Kaum noch wer sitzt trotzig im Puristenwinkerl, jeder macht irgendwie "Fusion“. Und allen schmeckt’s.

Living Room in London (Session Work Rec.) ist eine Fusion des weltersten (und -einzigen?) Bassklarinetten/Hang-Duos der beiden Tiroler Christoph Pepe Auer und Manu Delago mit dem Streichtrio von Ellie Fagg (vln), Tom Norris (vln) und Gregor Riddel (cello), das zunächst auch ganz "klassisch“ loslegt, ehe sich andere Töne einschleichen. Tafelspitz mit Koriander?! Doch, das geht schon, das Ganze ist dank des sehr aparten warmen Ensemblesounds aromatisch eine runde Sache, auch wenn man’s mit der Grenzüberschreitung zwischen Bach, Mozart, Tschaikowsky und Mike Oldfield etwas


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