Stadtrand

Splitternackt: Wien ist doch kein Branzino

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 07/12 vom 15.02.2012

Der Splitt hat ausgedient. In den vergangenen Jahrzehnten sorgte er während der Wintermonate für Staubwolken. Autos wirbelten die auf verschneiten Straßen verstreuten Steinchen und die dazugehörigen Staubpartikel auf. Fußabstreifer und Teppiche füllten sich mit der mitgebrachten Materie. Radfahrer husteten, Hausmänner fluchten.

Dann kam das weiße Zeug. Nach monatelanger Schnee- und Eislosigkeit rieselte vor zwei Wochen etwas Schnee zu Boden. Da rückten die städtischen Räumungsfahrzeuge aus. Diesmal ließen sie den Split zu Hause und überzogen die Straßen und Gehwege mit einer weißen Kruste. Heuer schaut die Stadt aus wie ein Branzino al Sale. Ökologische, gesundheitliche und restauratorische Fragen drängen sich auf. Werden marmorne Bodenbeläge verätzt? Werden die Alleebäume im Frühjahr sterben müssen? Was sagen die Donaufische, wenn sie plötzlich salziges Wasser trinken? Vor allem aber: Ist das überhaupt Salz? Auch wenn Feinstaub sicherlich schlecht für die Lungen ist. Das weiße Zeug auf der Haut der Stadt wirkt auch ganz schön giftig.


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